Projekt-Log

Aktuell:

Woche 12: Neujahrsvorsätze und -pläne

07.01.2019

Mein Gekritzel zu den Plakatentwürfen.

Neues Jahr, neues Glück. Deswegen ließen wir es uns nicht nehmen, gleich weiter zu machen, wo wir im Dezember aufgehört hatten. Zuerst die große Programmheftdebatte. Was muss geändert werden, was fehlt, woran haben wir bisher noch nicht gedacht und so weiter. Dann in medias res. Brauchen wir eine Begrüßung? Wenn ja, was muss man da überhaupt sagen? Was uns schnell zum Schluss gebracht hat, dass wir wohl von einem Publikum, das ein Theaterstück besucht, verlangen kann, dass es weiß, wie das Stück heißt. Und wer wir sind, ist schließlich in Blog und Programmheft nachzulesen, weswegen die ganze Begrüßungskiste ziemlich schnell gestorben war. Danach weiter zum Technischen. Wie hoch muss der Stamm für Sigunes Baum sein und warum ist sie die einzige, die ein mittelalterliches Kleid anhaben muss? Antworten: ca. 1,5 Meter und muss sie eigentlich wirklich nicht. Die Raumbesichtigung wieder zu einem Terminfindungskrimi zu machen, haben wir beschlossen zu umgehen, indem wir einfach unseren Kontakt entscheiden lassen, wann er Zeit hat und es soll dann einfach kommen, wer kommen kann. Auch wie wir das mit der Akustik lösen sollen werden wir dann wohl vor Ort am besten herausfinden.  Requisitenprobleme wurden ausgelotet und teilweise beseitigt, wenngleich ich bei einigen Figuren immer noch nicht weiß, was sie dann im Endeffekt anhaben werden, aber das hat unser Regieteam dafür sehr gut im Blick. Und dann das, wovor ich mich schon etwas gefürchtet hatte, da meine liebe Eva aufgrund der Schneeverhältnisse in Wörgl feststeckte und mir nicht beistehen konnte. Die große Plakatsdiskussion. Was haben wir uns bisher überlegt? Einige Vorschläge, inklusive dem von Skizze Eins. (Die anderen habe ich mich nicht getraut zu skizzieren, weil meine Autos immer etwas von Dosen haben.) Dann sind die Vorschläge nur so auf mich eingeprasselt. Ein Handy mit Chatverlauf und diverse andere Möglichkeiten, Vergangenheit und Gegenwart zu verbinden (siehe Skizze Drei und Vier: verschiedene Schriften auf verschiedenen Untergründen). Nachdem ich dann etwas geplättet meine Notizen weglegen durfte, gab es noch ein paar kleine Kostproben der wunderbaren schauspielerischen Leistungen von Nadia und Sabrina und dann war unsere Einheit schon wieder vorbei.


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Woche 1: Was genau ist jetzt eigentlich der Plan?

01.10.2018

Unsere erste Einheit war wie traditionell am Anfang des Semesters in jedem Kurs die große Planungs- und Fragestunde. Von "Was machen wir eigentlich?" bis hin zu "Wie sieht der Test dann genau aus?" war alles vertreten. Wobei ich das Gefühl hatte, dass ich wohl die einzige war, die die Kursbeschreibung (siehe Link) nicht auswendig gelernt hatte. 

Aber abgesehen von einem allgemeinen unterdrückten Seufzen, was den Lektüretest anging, waren alle im Großen und Ganzen mit Frau Strieders Plan einverstanden.

 

https://lfuonline.uibk.ac.at/public/lfuonline_lv.details?sem_id_in=18W&lvnr_id_in=608270

Frau Strieder liest im September schon brav im Voraus.


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Woche 2: Parzival, was kann er, was kann er nicht?

08.10.2018

Impressionen aus Mirjams Bibliothek.

"Weil Sie ja alle schon brav zu lesen begonnen haben, können wir ja mal über die erste Hälfte unseres Parzivals reden."

Also wurde besprochen, was wir wissen (oder auch nicht wissen). Zuerst über Gahmuret, den perfekten Ritter und nicht so perfekten Ehemann, Parzivals Kindheit in Soltane und die antiautoritäre Erziehung Herzeloydes, seine ersten Gehversuche als Ritter, wie er zuerst beinahe eine Frau vergewaltigt und dann noch einen Verwandten mordet bis hin zur Ausbildung bei Gurnemanz und die Begegnung (und natürlich auch Hochzeit) mit Condwiramurs und dann war auch die Stunde schon aus.


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Woche 3: Der Test und "Wer macht was?"

15.10.2018

Also Lektüretest für alle. War weniger vernichtend, als ich zuerst befürchtet hatte, aber mein Zähneklappern musste ich trotzdem unterdrücken. Das vor der Stunde noch motivierende "Ich kann eh auch gar nichts" bewahrheitete sich allerdings (zum Glück) für niemanden. Wir wussten alle über unseren Ritter-goes-Gralskönig genug, dass wir keine Zusatzarbeit machen müssen.

 

Dann: Rollenvergabe;

Wir einigten uns gleich darauf, dass es unkomplizierter ist, Parzival nur zum Gegenstand unserer Narration zu machen und ihn nicht zu besetzen. (Es wollte auch niemand das arme rosa pigmentierte Nutztier sein, dass die ganze Zeit auf der Bühne sein muss.) Langer Rede, kurzer Sinn: Wir haben jetzt alle relevanten Figuren um den Helden herum. Von Mutter über Ersatzvater zu Onkel/Gralskönig. Dazu natürlich auch Figuren, die nicht direkt mit Parzival verwandt sind. Und auch wenn meine Kollegin leider nicht mit Schachfiguren werfen darf, sondern eine andere Rolle wählen musste, sind – so weit ich das sehe – alle recht zufrieden mit ihrer Ausbeute.

Außerdem haben wir (wie die Erstis) eine Chatgruppe erstellt, damit der Ideenfluss stetig fließen kann. (Und ja, ich erzähle das nur, weil ich auf den Gruppennamen "Sigunes Baumschule" ziemlich stolz bin.)

Der Beweis, dass unser lieber Parzival lieber nicht im Bett zu lesen ist. Schließlich will auch Mirjam keine 1,6 Kilo ins Gesicht bekommen.


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Woche 4: Das große Abstimmen und was wir schon wissen

22.10.2018

Man darf sich erstaunt zeigen, worüber man nicht abstimmen könnte.

Fleißaufgabe von Raphaela.

Was man nicht alles zu entscheiden hat. Zuerst, ob man einen Hashtag so verwenden will oder ob er länger werden soll (#parzivallebtinunseren<3en). Dann, was wir denn eigentlich darstellen wollen; von Daily Soap über fake Naturdokumentation und Quizsendung bis hin zur Dating Show war alles vertreten. Man hat sich dann für die Parzival sucht Gral Version (Anm.: wie Bauer sucht Frau) entschieden. All die anderen Ideen habe ich beschlossen, im Hinterkopf zu behalten und dann meine zukünftigen Schüler damit zu quälen, sollten sie jemals nach einen Projekt verlangen. Danach, welchen Namen geben wir dem ganzen jetzt eigentlich? Bleiben wir beim gleichen, den auch der Blog hat? Machen wir was ganz Verrücktes? Uns ist dann das Naheliegendste doch am schönsten vorgekommen.

Dann: Wer kennt seinen Charakter? Zuerst Gurnemanz, der Lehrer/Ersatzvater, dann Cunneware (mit tollem Poster), Cundrie die Hexe, die eigentlich nicht halb so hässlich ist, wie sie aussieht, Jeschute, das originale #metoo Opfer und zum Schluss noch Gahmuret, der Superstar, dem alle nachschmachten.


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Woche 5: Wissensspeicherung und noch mehr Figuren

29.10.2018

"Sie wissen doch alle, was ein Mindmap ist, oder nicht? Doch? Na eben." (Frau Strieder)
Also Mindmap über die eigene Figur.

"Und würdet ihr mir helfen wegen des Blogs? Ich brauch da irgendwas für eure Figuren..." (Ich)

Dann noch ein Steckbrief.

Angenehmer Workload.

Und dann nochmal das gleiche wie in der Woche zuvor: Feirefiz das Vitiligo Model (Anm.: Vitiligo ist eine Veränderung der Hautstruktur, bei der auf Teilen der Haut die Farbpigmente fehlen), Artus, der Juror, der alle Fäden in der Hand hat (oder auch nicht) und Herzeloyde, die Spielerfrau, die nach ihrem Zusammenbruch in die alternative Nebenwelt Soltane ausreißt.

Wieder ein hübsches Tafelbild von Frau Strieder

Das Handpuppenteam in Frau Strieders Büro (von links nach rechts: Trevrizent, Malcreature, Parzival, Cundrie, Artus, Ither)


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Woche 6: Es geht ans Eingemachte

05.11.2018

Eine goldene Verpackung für den Gral? (von Mirjam)

Heute: Der große böse Zauberer Clinschor und was man überhaupt über ihn wissen kann. Was uns über einige Ecken schnell zu der Erkenntnis gebracht hat, dass seine Person gerne im Hintergrund bleibt.

Dann direkt hin zum Erzähler, den Anna folgerichtig als Wolfram von Eschenbach charakterisiert hat (Wolfram der Erzähler, nicht Wolfram die/der reale/r Person/Autor). Und der hängt mit Clinschor zusammen. Kommen sie also aus der Vergangenheit, um einen Streit zu klären?

Danach weiter zu Sigune: kann nicht Selbstmord begehen, muss aber trotzdem sterben. Wie also? Hat sie Magersucht? Psychotische Episoden? Was uns wieder zum leidigen Thema der dargestellten Zeitspanne bringt. Deswegen: wieder abstimmen. Wieder zurück zu Sigune und der wahren Backstory von Schionautulanders Tod. Also muss eine Hundeleine her. Und eine fanatische Tierschützerin. So weit so gut.

Dahinter gleich der gute Ritter Trevrizent: buddhistischer Mönch. Klarer Fall. Yogi ist uns zu blöd. Und zum Abschluss: Wer spielt mit wem? Eine erfolgreiche Einheit.


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Woche 7: Die Freude am Arbeiten

12.11.2018

Es gibt eigentlich recht wenig zu sagen. Es wurde überall fleißig gearbeitet. Einerseits im Gespräch zu zweit/dritt/viert (wie auch immer) und mit dem Regieteam, das den vorläufigen Ablauf finalisiert. Und eine kleine Fotosession siehe Figuren.

Klärung des Ablaufs hier...

...fleißiges Arbeiten an den Texten dort...

...und wieder eine Fleißaufgabe von Frau Strieder.


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Woche 8: Recherche und Töne?

19.11.2018

Wieder ein hübsches Arbeitsfoto.

Diese Woche lag das Hauptaugenmerk auf unserer lieben Erzählerin. Was stellt sie sich vor, wo passt es in unsere Planung, wo nicht. Wie bringen wir diese Vorhaben mit den Vorstellungen unseres Zauberers zusammen.
Außerdem ging es bei allen anderen genauso eifrig ans Werk. Warum Sigune allerdings nach einem Ehegelöbnis gegoogelt hat und Cundrie dringend gruselige Musik braucht, darf noch ein Geheimnis bleiben.
Auch war die Technik schwer am Arbeiten. Nicht nur für Cundrie sondern auch Herzeloyde und Gahmuret. Diese beiden brauchten nämlich eine ganze Liste von Dingen. Von Logos über Red-Carpet-Backdrops hin zu röhrenden Motoren.
Alles in Allem ist die Produktion also auf einem guten Weg.


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  • #1

    Elisabeth De Felip-Jaud (Tuesday, 04 December 2018 16:28)

    Warum Sigune nach einem Eheglöbnis googelt? :-) – Weil sie schon damals viel von einem fancy wedding-style hielt ;-)


Woche 8.1: Ein kleiner Ausflug nach Brixen

23.11.2018

An diesem Freitag war ich mit meinem anderen Institut in Brixen.

Was wir dort gemacht haben?

Wir haben uns die Uraufführung der Neubearbeitung (und Übersetzung) des Agamemnon von Josef Resch (ein Neulateinisches Schultheaterstück übersetzt ins Deutsche von Judith Sailer) angesehen.

Warum tut das zur Sache?

Mal abgesehen davon, dass das Stück unglaublich gut besetzt war und die Schülerinnen und Schüler fantastisches Schauspiel auf die Bühne gebracht haben, wurde es im alt ehrwürdigen Parzivalsaal des Vinzentinums Brixen aufgeführt. Und ich konnte mich nicht beherrschen, keine Fotos zu machen. Sie sind nicht unbedingt von höchster Qualität, aber wer die Fresken in all seiner Schönheit bewundern möchte, kann ja nach Brixen fahren (und bei der Gelegenheit auch gleich das Theaterstück ansehen).

 

http://www.vinzentinum.it/ueber-uns/service/news-und-termine/event/theater-joseph-resch

Die Beschreibung des Saales

Der Heilige Gral

Parzival und Orgeluse

Parzivals Busse (sic!) bei seinem Ohm Trevrezent.


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Woche 9: Abgabetermin und Diskussionen

26.11.2018

Der Beweis, dass wir schon bei natürlichem Licht arbeiten. Manchmal.

Frau Strieders Materialien

Evas neue Mitbewohnerin aus dem Tierheim hat Parzival auch schon lieb gewonnen. Zumindest als Sitzgelegenheit.

Diese Woche war der viel gefürchtete Abgabetermin der Texte. Schließlich haben wir bei allem Spaß an der Freude doch noch eine Note zu bekommen. Wäre doch eher gemein, wenn wir erwarten würden, dass Frau Strieder sich hinsetzt und würfeln muss, weil sie nichts zu benoten hat.

Außerdem wurde auch die Liste der Requisiten immer voller, nicht nur länger, wie in den letzten Wochen. Gahmuret hat jetzt einen schneidigen Rennanzug und Feirefiz ein Paar Budapester (die Schuhe, nicht die Menschen). Das Outfit des Trevrizent nimmt auch Gestalt an, gleich wie das unseres bösen Zauberers, auch wenn wir unseren armen kranken Mario zuhause im Bett nerven mussten. Frau Strieder wird auch ihren Kasten nach mittelalterlichen Kleidern durchsuchen und ich werde mich um einen Mantel für Clinschor und eine Kutte für den Einsiedler bemühen. Wir haben ja nur alle Glück, dass wir wissen, wo wir danach suchen müssen. Die Perückenfrage ist zwar noch nicht geklärt, aber wir wurden uns darüber einig, dass Konfetti vielleicht nicht die beste Art zu feiern ist. Besonders dann, wenn man sie mit Seifenblasen kombiniert. Also wird es etwas werden, das man besser wegräumen kann. Schließlich wollen wir gute Gäste sein, wenn wir schon eine Bühne bekommen.


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Woche 10: Lose Fäden

03.12.2018

Wolframs Kleidermetaphern scheinen abzufärben, denn mit ‚losen Fäden‘ hatten wir heute zu tun, die langsam aber sicher verknotet werden müssen. Allmählich wird es schließlich ernst: Trevrizent und Clinschor dürfen sich genauso wenig begegnen wie Sigune und Cunneware, Cundrie will nicht alleine auf der Bühne stehen und braucht ohnehin Publikum im Stück, Condwirarmurs weiß nicht, ob sie ihre Herzensangelegenheiten mit ihrem Onkel diskutieren will, Artus sucht kompetente Staatssekretäre, Gahmuret eine wichtige Message an seinen Sohn und Jeschute googelt das Stockholm-Syndrom und findet dabei Gemeinsamkeiten mit Cunneware. Der Erzähler ist sowieso immer sehr gefragt, denn bei ihm laufen alle Fäden zusammen, und er hat so seine ganz eigene Sicht auf die Dinge, die er eloquent und unverblümt zum Ausdruck bringt. Dazwischen tauchen echte Schätze auf, die in geheimnisvollem Blau schimmern, ein Tisch wird zur Kleiderkammer und unser Regieteam grübelt schon eifrig über das Programmheft, die Kostenkalkulation und das Drehbuch nach. Noch ist das alles work in progress, darf es ja auch sein, aber man merkt es: Wir kennen unsere Figuren schon ziemlich gut, reagieren mitunter schon auf unsere Namen im Spiel und der Ton wird ernster – einige arbeiten still vor sich hin, andere diskutieren eifrig und dazwischen gibt es immer wieder Phasen im Plenum, wenn es alle angeht. Auch bei der Organisation ziehen alle an einem Strang, halten die Augen offen nach einem geeigneten Raum, steuern Requisiten bei und machen sich auch ganz profane Gedanken über das Soll und Haben, das am Ende dann doch auch steht. Und nächste Woche geht es gleich weiter: Die Endfassungen der Sprechtexte, die Begutachtung der Requisiten und eine erste Probe sollen über die Bühne gehen – und wer weiß, welche Drachen bis dahin erschlagen, welche Jungfrauen erlöst und welche Abenteuer sonst noch bestanden werden müssen. Es bleibt spannend! 

Es wird gearbeitet.

Bitte hier einen blöden Witz über Stoff (Material) und Stoff (Literatur) einfügen.


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Woche 11: Ein Berg Requisiten

10.12.2018

Mein erster Eindruck, als ich den Raum betrat.

Ein Bild vom Kleinkram und einem sehr hübschen Pullover.

Wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben. Aber zu meinem großen Glück war ich nicht einmal fünf Minuten nach zwölf im Raum, sonst hätte ich wohl meine Studienkollegen schwer unter all dem Stoff und Kleinigkeiten finden können. Ganze drei Tische waren übervoll mit  Kleidern aller Art und diversem Nippes. Religiöse Zeichen dreier Religionen für Trevrizent (Sammlung im Begriff des Ausbaus), eine ganze Auswahl an mittelalterlichen und (noch wichtiger) größenverstellbaren Kleidern für Sigune, Gitarre und Blumenkette für Herzeloyde und so weiter und so fort. Danach sehr technische Diskussionen zu den Videos, die aufgenommen werden müssen. Wer, Wann, Wo und vor allem das viel gefürchtete Wie wurden geklärt. Dann analoger aber immer noch technisch: Wie bekommen wir einen Baum für Sigune, der auf die Bühne hinauf und wieder runter kommt, ohne dass wir eine zehnköpfige Bühnenbildcrew brauchen. Und natürlich sehr wichtig, da wir schon beim Bühnenbild waren: Was kommt dahinter? Also gab es an alle als Hausübung über Weihnachtsferien die Aufgabe, Wälder, Autos und sonstige Bilder zu finden, die wir verwenden können, ohne irgendjemandem auf die Füße zu steigen, was das Copyright angeht. In Zeiten von Artikel 13 eine sehr wichtige Frage. Und danach das, worauf wir alle schon lange gewartet hatten. Die erste Textprobe. Von vorne an. Da durften wir Herzeloyde und Gahmuret zusehen, wie beide Gahmuret anhimmeln und Jeschute beim Joga. Sigune machte dann für diese Stunde den Abschluss mit einem sehr emotionalen Monolog, auf den man sich freuen darf.


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Weihnachts-/Neujahrsintermezzo: Gawain (1)

24.12.2018

Im Parzival gibt es kein Weihnachtsfest und der Schnee ist sehr spärlich. Aber wir sind nunmal im Wintersemester und da gibt es eben auch Weihnachtsferien; also darf eine Weihnachtsgeschichte nicht fehlen und die will ich heute erzählen. Sie kommt aus dem Mittelenglischen und handelt von dem zweiten Helden des Parzivals, Gawain, von dem wir bis jetzt noch nichts gehört haben – es wird also höchste Zeit, das nachzuholen! 

 

Eine Stechpalme, so grün, wie der Ritter.


In den Tagen zwischen Weihnachten und Epiphanias, die man früher Rauhnächte genannt hat, saß König Artus mit seinen Rittern der Tafelrunde, mit seiner Königin und viel des Volkes in dem großen Festsaal auf der Burg Camelot und es war die Zeit der Geschichten, der Spiele und des Schabernacks. Laut und fröhlich ging es auf Camelot zu, Musik erklang in den Hallen und die Kerzen schienen heller zu leuchten als an anderen kalten Winternächten. 

Gerade sollte der fette Kapaun aufgetragen werden, da flogen die Türen zur Halle auf und ein eisiger Wind strich über die goldfarbenen Mauersteine. Draußen gähnte die rabenschwarze Nacht und aus dieser erschien ein Reiter, so ungewöhnlich, das schlagartig alle Gespräche verstummten und die Damen in ihren prächtigen Gewändern und die herausgeputzten Ritter starrten den Neuankömmling fassungslos an – ich glaube, einigen stand vor Staunen sogar der Mund offen, denn so einen Menschen und so ein Pferd hatten sie noch nie gesehen. 

Und als dieser Reiter durch die Halle bis vor den Platz von König Artus ritt, da hatten sie alle Zeit, ihn und sein Pferd genau anzusehen: Das Pferd war grün, von den Hufen bis zur prächtigen Mähne und dem langen Schweif. Auch das kostbare Sattelzeug war grasegrün und an den Zügeln hingen kleine Glöckchen aus Silber, die einen feinen, hellen Ton von sich gaben. Aber noch viel erstaunlicher als das Pferd war der Reiter selbst, denn er war ebenso grün: Haar und Bart fielen in langen, dichten, dunkelgrünen Locken auf seine Schultern und seine Brust und gewandet war er ganz in grüne Jagdkleidung, die überaus kostbar war, von den weichen Lederstiefeln bis zum schweren Umhang. Am Gürtel trug dieser seltsame Besucher eine gewaltige Axt mit grünem Stiel, die zu seiner gewaltigen Körpergröße passte, denn groß und stattlich war der Fremde und manche der versammelten Damen wird wohl gedacht haben, dass er durchaus schön anzusehen war mit seinen feinen Gesichtszügen und den leuchtenden Augen. In der einen Hand hielt der Reiter die Zügel seines bemerkenswerten Pferdes und in der anderen einen Stechpalmenzweig und die Beeren daran schimmerten so rot wie frisches Blut.

Durch die ganze Halle ritt der Fremde bis vor den Tisch, an dem der König saß, zusammen mit den besten seiner Ritter und der Königin, die an den Festtagen mit ihren Damen in der Halle speiste. Und als er vor der hohen Tafel angekommen war, da zügelte der grüne Reitersmann sein Ross und sprach mit gewaltiger Stimme: 

„Sei gegrüßt, König Artus, sei gegrüßt Königin Ginover, all ihr Ritter der Tafelrunde und all ihr schönen Damen! Weit ist der Ruf dieser Versammlung durch die Welt geeilt und ist schließlich auch zu mir gedrungen und man sagt von euch, dass hier die Besten der Ritterschaft versammelt sind. So habe ich mich aufgemacht, um dies selbst auf die Probe zu stellen und da die Zeit im Jahr gekommen ist, wo man Scherz und Schabernack treibt, so will ich dies auch mit euch treiben und sehen, wer tapfer genug ist, es mir gleichzutun!“ 

„Sei gegrüßt, Freund, in dieser besonderen Zeit!“, entgegnete König Artus und fuhr fort: „Willkommen sollst Du sein auf meiner Burg – iss und trink mit uns und sei fröhlich und guter Dinge!“

Aber der Fremde schüttelte den Kopf und erklärte: „Ich bin nicht zum Essen und Trinken und um der Gastfreundschaft willen gekommen. Ich stelle euch folgende Aufgabe: Hier und heute möge einer der Ritter mit dieser Axt, die ich bei mir trage, mir einen Hieb versetzen an die Stelle seiner Wahl – unter der Bedingung, dass ich in einem Jahr ihm diesen Hieb zurückzuzahlen darf!“ Bei diesen Worten zog er die riesige Waffe aus dem Gürtel und ließ sie mit beängstigendem Sausen über seinem Kopf wirbeln.

Und wieder legte sich Stille über den Saal und wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich sagen, dass die tapferen Ritter sich ganz klein gemacht und sich in die Stühle geduckt haben, denn niemand wollte sich dieser Aufgabe stellen. Auch Keie, der ansonsten immer der erste war, wenn es darum ging, Taten zu vollbringen, und Segramors, und Iwein und Erec und Lanzelet, sie alle schwiegen und taten sehr beschäftigt mit dem Braten und dem Wein. 

Da brach der Fremde in höhnisches Gelächter aus, dass es von den Wänden hallte und spottete: „Keiner? Keiner von euch Tapferen und Edlen, von euch Mutigen und Starken, will dieses Spiel mit mir spielen? Was seid ihr doch für ein armseliger Haufen!“ 

Und der König, schamrot im Gesicht, war schon halb aufgesprungen, um selbst die Herausforderung anzunehmen, aber sein Neffe, Gawain, war schneller und eilte mit großen Schritten vor seinen Onkel und König, um dieses Abenteuer zu erbitten. Keie, stets boshaft und spöttisch, betrachtete den Neffen des Königs und besten Ritter der Runde und sprach: „Sieh an, Freund Gawain, ich dachte mir doch, dass dieses Spiel das Deine ist, denn Du bist doch stets der, der die größte Liebe zum König behauptet...“

Und mein Herr Gawain, nicht nur der beste, sondern auch der höflichste der Ritter, entgegnete sanft: „So ist es, mein Freund, und niemand anderem würde ich dieses Abenteuer gönnen...“ 

Bevor der König ein Wort sagen konnte, schritt Gawain zu dem Fremden und nahm ihm die Axt aus der Hand. Ein paar Mal ließ er sie schwingen, um Gewicht und Schwerpunkt zu prüfen und währenddessen hatte der Fremde sich auf die glatten Fliesen der Halle gekniet und seinen Hals entblößt und so schlug denn Gawain zu und mit dem mächtigen Streich enthauptete er ihn und der Kopf rollte durch die Halle bis vor die Füße der Königin. 

Da brach Jubel aus und vor Erleichterung klatschten die Damen und die Ritter hämmerten mit ihren Bechern auf den Tisch, aber der kopflose Fremde stand auf, schritt auf die Königin zu, nahm seinen Kopf in beide Hände und hielt ihn hoch, sodass er die gesamte Halle übersehen konnte. 

Und die Stimme war immer noch donnernd, als er sprach: „Ritter Gawain, in einem Jahr und einem Tag erwarte ich Dich. Frage nur immer nach dem grünen Ritter von der grünen Kapelle und reite von hier an der walisischen Grenze nach Norden, so wirst Du mich nicht verfehlen.“ 

Zum Entsetzen aller stieg er auf sein grünes Pferd und galoppierte aus dem Saal und in die finstere Nacht hinaus. Es dauerte lange in Camelot bis wieder Lachen und Musik erscholl und man sagt, dass sogar der kühne Gawain bleich am Tisch saß und den Kapaun kaum anrührte. 

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Weihnachts-/Neujahrsintermezzo: Gawain (2)

01.01.2019

Noch nicht ganz Frühjahr, wie in unserer Geschichte.

Und nun, am ersten des neuen Jahres zu Teil 2 der Gawain Geschichte:


Das neue Jahr begann und langsam verflog auch wieder die düstere Stimmung am Artushof. Im frühen Frühjahr, als die Schneeglöckchen ihre weißen Köpfchen wieder zeigten, wurde auch der weiße Hirsch gesichtet, im Sommer erlöste Lanzelet den armen Drachen und der Artushof gewann eine wunderschöne Dame hinzu und im Herbst zog man zusammen mit Guivreiz auf die Jagd. In den letzten, milden Herbsttagen, als die Sonne von einem hohen, blauen Himmel schien und Allerheiligen langsam näher rückte, bereitete sich Gawain auf seine schwere Reise vor: Er ließ Gringolet, sein treues Pferd, striegeln, er brachte seine Rüstung auf Hochglanz und das Schwert zum Schmied, damit dieser die neuesten Scharten ausbessern konnte. Er ließ seinen Schild frisch bemalen und überprüfte sein Sattelzeug und nachdem er an Allerheiligen noch einmal mit seinem Onkel, König Artus, die Messe gehört hatte, schwang er sich auf Gringolets Rücken und trabte aus der Burg hinaus. Die gesamte Tafelrunde stand bereit, um ihn zu verabschieden, aber keiner jubelte, wie sie das normalerweise taten, wenn einer der ihren auf Aventiure auszog. Stattdessen sah Gawain nur traurige Gesichter vorüberziehen, denn niemand dachte, dass man den besten Ritter der Tafelrunde jemals lebendig wiedersehen würde. 

Auch Gawains Gedanken waren schwer vor Sorgen und Kummer und das Wetter schien sich seiner Stimmung anzupassen. Die Herbststürme jagten übers Land, rauschten in den Bäumen und rissen Blatt um Blatt von den Zweigen bis diese wie skelettartige, dürre Äste in den bleigrauen Himmel ragten. Danach kam der Frost, der Wiesen und Wälder in seine erbarmungslose Umarmung zwang und Gawain fror erbärmlich in seiner eisernen Rüstung. Und je weiter er nach Norden vordrang, desto kälter wurde es und die Landschaft wurde wilder und unzugänglicher. Er begegnete einer Bande Räuber, die so bemitleidenswert aussahen, dass er sie zum Artushof schickte, damit sie dort eine warme Mahlzeit am Feuer bekommen könnten, und einen halb verhungerten Drachen sah er, der viel zu schwach war zum Feuerspucken. 

Und wann immer er einen frommen Eremiten oder eine alte Frau traf, dann fragte er nach dem grünen Ritter von der grünen Kapelle, aber er bekam immer nur ein Kopfschütteln zur Antwort. Der November ging langsam in den Dezember über und Gawain hatte viele kalte Nächte unter freiem Himmel verbracht und langsam sorgte er sich nicht nur um sein Leben, sondern auch darum, sein Versprechen nicht einlösen zu können. 

An Weihnachten hörte er in einer halb verfallenen Kapelle Messe und dann zog er weiter Richtung Norden. Als die frühe Dämmerung hereinbrach, fürchtete er schon, dass er erneut eine Nacht in der Wildnis verbringen müsste, als er plötzlich ein Licht durch die kahlen Bäume schimmern sah. Auch Gringolet schien einen warmen Stall zu wittern, denn in das treue Pferd kam wieder Leben und es schritt munter aus, ohne das Gawain es anzuspornen brauchte. Und über den abweisenden Hügeln erschien, als sei sie aus dem Boden gewachsen, eine Burg, fest gefügt aus hellem Stein, und die Zugbrücke war heruntergelassen und die Hufe von Gringolet klapperten munter darauf, als Gawain darüberritt. 

Im Burghof stand schon der Schlossherr, ein großer Mann mit gutmütigem Gesicht und breitete im Willkommen die Arme aus: „Herr Ritter, seid willkommen in meiner Burg Hautdesert! Nicht oft haben wir das Vergnügen, Besucher zu empfangen und besonders zur Weihnachtszeit freut uns das von Herzen!“ 

Ein schöneres Willkommen hätte sich Gawain nicht wünschen können und so kehrte er mit Freuden in der Burg ein und bald saßen der Burgherr und er vor einem prasselnden Feuer und unterhielten sich wie zwei alte Freunde.

Der Burgherr und seine Gemahlin waren so herzliche Gastgeber, dass Gawain es sich und ihnen nicht versagen konnte, einige Tage auf Hautdesert Rast zu machen bevor er seine kummervolle Suche wieder aufnehmen würde. 

Da die Zeit der Rauhnächte wieder heran war und Scherz und Spiel im Mittelpunkt standen, schlug der Burgherr am nächsten Morgen seinem Gast Folgendes vor: „Nun, mein Freund, ich gehe leidenschaftlich gerne zur Jagd, sehe aber wohl, dass Ihr von Eurer schweren Reise zu uns erschöpft seid. Lasst uns also folgenden Handel eingehen: Was auch immer ich auf der Jagd auftreiben werde, tausche ich mit Euch gegen das, was Ihr in dieser Zeit auf der Burg finden werdet.“ Frohen Mutes stimmte Gawain diesem Spiel zu und blieb, während am frühen Morgen die Jagdhörner erschallten und die Meute kläffte und jaulte im behaglich warmen Bett liegen. 

So zwischen Wachen und Träumen angenehm gefangen bemerkte er im ersten Moment gar nicht, dass die Tür zu seinem Schlafraum leise geöffnet wurde und die Dame der Burg eintrat. Bevor er sich auch nur im Bett aufgerichtet hatte, saß sie schon auf der Decke und neckte ihn mit süßen Worten. Und Gawain, als höfischer Ritter, wusste jede ihrer Reden aufs geschickteste zu parieren und so entspann sich ein liebevoller Dialog, bis Lady Bertilak schließlich aufstand und kummervoll auf ihn herabsah. Schließlich sagte sie: „Ich kann nicht glauben, dass Ihr Gawain sein sollt, der tapfere Ritter, immer der Minne zugewandt, und mich nicht einmal um einen Kuss gebeten habt...“ 

Schleunigst holte dies Gawain nach und lachend und scherzend trennten sie sich. Als der Burgherr am Abend von der Jagd zurückkam, hatte er einen prächtigen Hirsch erbeutet, den Gawain sofort in die Küche bringen ließ, damit er demnächst in zubereiteter Form die Tafel zieren würde. Und getreulich gab er den Kuss der Dame weiter. Natürlich war der Burgherr neugierig und wollte wissen, wo er denn einen solchen Schatz gefunden hätte, aber Gawain schüttelte nur lachend den Kopf und erwiderte: „Das, Freund, war nicht Teil der Abmachung.“ Und lachend und scherzend gingen sie zum Feuer, um sich die Glieder zu wärmen. 

Am nächsten Morgen ereignete sich das Gleiche wieder – nur bekam diesmal Gawain von der Dame zwei Küsse, die er wiederum an den Burgherrn weitergab, ohne zu verraten, woher er diese erhalten hatte. Im Gegenzug allerdings erhielt er von der Jagd nur eine leere Fuchshaut, die Sir Bertilak lachend über dem Kopf schwenkte. 

Am dritten Morgen erschien die Dame wieder und nachdem sie eine Weile geplaudert und drei Küsse getauscht hatten, stand sie noch nicht auf, sondern zog einen schmalen, grünen Gürtel hervor. Sorgenvoll und mitleidig sah sie Gawain an, wie er dort in die Kissen gebetet lag. Sie sagte: „Ich weiß, welch schlimmes Abenteuer Euch bevorsteht und deshalb tragt diesen Gürtel, denn er hat magische Kräfte und egal wie schlimm die Verletzung ist, die man Euch zufügt, Ihr werdet kein Blut verlieren.“ 

Dankbar nahm Gawain den Gürtel an und band ihn sich unter das Hemd auf die Haut, sodass ihn niemand sehen konnte. Am Abend gab er zwar die drei Küsse weiter und erhielt dafür zwei Hasen, aber den magischen Schutz behielt er. 

Und nun drängte es ihn langsam zum Aufbruch, denn so gerne er auf der Burg Hautdesert noch geblieben und die Gastfreundschaft Sir Bertilaks genossen hätte, wusste er doch, dass er immer noch die grüne Kapelle und den grünen Ritter finden musste. 

So fragte er denn an diesem Abend am mächtigen Kaminfeuer seinen Gastgeber danach und dieser klopfte ihm freundlich auf die Schulter: „Keine Sorge, die grüne Kapelle ist nur eine Stunde von hier entfernt und Ihr erreicht sie leicht. Gleich morgen früh gebe ich Euch einen Knappen mit, der Euch den Weg weisen wird, aber ich warne Euch, denn dort haust der grüne Ritter, der noch keinen ohne fürchterlichen Blutzoll hat passieren lassen.“

Zugleich beruhigt, dass er seinen Schwur würde halten können, und wieder mit den gleichen Sorgen belastet wie beim Aufbruch aus Camelot, bedankte sich Gawain und ging bald danach zu Bett. Im Traum erschienen ihm hunderte grüne Ritter, die in höhnisches Gelächter ausbrachen und hundert grüne Kapellen stürzten über ihm zusammen. 

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Weihnachts-/Neujahrsintermezzo: Gawain (3)

03.01.2019

Heute, passend zu dem Schneesturm, der vor unseren Türen wütet das stürmische Ende unserer Geschichte.

Die Burg des grünen Ritters?


Am nächsten Morgen stieg Gringolets Atem als weiße Wolke in den Himmel und starrer Frost lag über der wilden Landschaft rund um Hautdesert. Nach der Messe stand der Burgherr zusammen mit Gawain im Burghof, als dieser sein Pferd bestieg. Von der Burgherrin allerdings war nichts zu sehen und das stimmte Gawain ein wenig traurig, denn er hätte sich gerne von ihr verabschiedet. 

Nur widerwillig kam der Knappe herbei, der als Gawains Führer dienen sollte und sobald sie die Zugbrücke hinter sich gelassen hatten, machte er aus seiner Angst keinen Hehl: „Herr Gawain, der grüne Ritter ist gefährlich und Ihr werdet ihm nicht lebend entrinnen. Wenn Ihr wollt, dann könnt Ihr Euch jetzt davonmachen. Ich werde niemandem ein Sterbenswörtchen sagen und Ihr könnt wohlbehalten zu König Artus und der Tafelrunde zurückkehren – ich fürchte wirklich um Euer Leben!“

Aber Gawain schüttelte nur den Kopf: „Dass Du Dich um mein Leben sorgst, das ehrt Dich, aber ich gab dem grünen Ritter vor einem Jahr mein Wort und ich werde ganz sicher nicht fliehen. Dann wäre ich nicht mehr würdig, an der Tafelrunde zu sitzen.“ 

Wortlos ritten sie daraufhin weiter und kamen schließlich in dichten Nebel, durch den der schmale Pfad kam noch zu erkennen war. Dafür wurde aber ein Rauschen immer lauter und mächtiger und plötzlich zügelte der Knappe sein Pferd und deutete in den Dunst: „Herr Gawain, weiter traue ich mich nicht, Euch zu begleiten, aber Ihr könnt den Weg nun nicht mehr verfehlen. Reitet von hier aus dem Pfad nach und achtet darauf, nicht in die Schlucht zu stürzen, die sich gleich auftun wird. Auf deren Grund müsst Ihr den Sturzbach durchqueren, den wir schon hören, und am anderen Ufer findet Ihr die grüne Kapelle.“ Er schwieg einen Moment und fügte dann verzagt hinzu: „Vielleicht ist der grüne Ritter ja nicht da. Gott behüte Euch!“ Und damit gab er seinem Pferd die Sporen und war im nächsten Augenblick im dichten Nebel verschwunden. 

Auch Gawain trieb Gringolet wieder an und Mann und Pferd machten sich behutsam an den steilen Abstieg. In der Tat erwartete sie an dessen Ende ein reißender Fluss, der aber nicht sonderlich breit war und mit einem Satz hatte Gringolet ihn überquert. Am anderen Ufer aber war von einem Gebäude nichts zu sehen. Nur kahle Bäume, die wie tot in den Himmel ragten, standen dort und der Boden war sumpfig und trügerisch und mit Raureif überzogen. Aber zu hören war ein schauriges Geräusch – das eines Wetzsteins, über den Eisen gezogen wurde. 

Ich glaube, Gawain schauderte es, als er  die Zügel von Gringolet an einen herabhängenden Ast band und dann zu Fuß weiterging. Schließlich fand er einen Erdhügel, der über und über mit grünem Moos, Flechten und Farn bewachsen war und er erinnerte sich, dass das einfache Volk diese durchaus als grüne Kapellen bezeichnete – er war also an seinem Ziel angekommen. 

Kaum hatte er diesen Gedanken gefasst, da trat auch schon eine mächtige Gestalt hinter dem Erdhügel hervor und es war unverkennbar der grüne Ritter mit seinen grünen Haaren und dem grünen Bart. Hier aber, in dieser wilden Landschaft, sah er gar nicht mehr so absonderlich aus wie in der prächtigen Halle von König Artus. 

„Dann bist Du also gekommen, Gawain, und hast Dein Versprechen gehalten!“, begrüßte er ihn auch sogleich. 

„Jeder Artusritter hätte das getan!“, wehrte Gawain ab, aber der grüne Ritter entgegnete darauf nichts, sondern verzog nur spöttisch den Mund. 

„Komm, es ist Zeit“, erklärte er stattdessen und führte Gawain um die grüne Kapelle herum, wo die mächtige Axt an einem Baumstamm lehnte. 

Wenn Gawains Schritte langsamer und zögerlicher geworden waren, so weiß ich nichts davon. Der Artusritter ging auf dem weichen Boden in die Knie und entblößte, so wie es der grüne Ritter getan hatte, seinen Nacken für den Schlag. 

Und der grüne Ritter zögerte nicht, sondern schwang die mächtige Axt, dass es in der Luft sauste, aber kurz bevor er zuschlagen konnte, zuckte Gawain dann doch zurück. Dröhnendes Gelächter war die Folge und der grüne Ritter spottete: „Nun, Gawain, so groß ist der Mut dann doch nicht, wie?“

„Ich werde meinen Kopf nicht einfach vom Boden aufheben und ihn wieder auf meinen Hals setzen können“, erklärte Gawain mit einem schiefen Lächeln und versprach: „Beim nächsten Mal werde ich nicht zurückweichen.“

Also streckte er den Kopf wieder vor und der grüne Ritter holte erneut aus, aber diesmal hatte er nicht gut gezielt und die Axt bohrte sich in den weichen Waldboden. 

„Du musst den Kopf schon ein wenig mehr nach vorne halten“, befahl er und Gawain kniete sich erneut auf den Boden und zum dritten Mal holte der grüne Ritter aus. Diesmal traf er den entblößten Nacken Gawains und ein dünnes rotes Rinnsal lief dem Ritter über den Nacken. Sofort sprang er auf und hatte das Schwert schon halb gezogen, als er erklärte: „Nun ist es genug! Es waren drei Schläge statt einem und beim nächsten Mal werde ich mich wehren!“

Da lachte der grüne Ritter laut und breitete die Arme aus, als er sagte: „Freund Gawain, ich habe nicht vor, erneut zuzuschlagen! Die ersten beiden Schläge, bei denen kein Blut floss, waren für die ersten beiden Tage, an denen Ihr die Küsse getreu an mich weitergegeben habt. Beim dritten Mal habt Ihr etwas Blut verloren wegen des Gürtels meiner Frau, den Ihr vor mir verborgen habt. Ihr seid noch jung und habt das Leben noch vor Euch, da ist es nur menschlich, dass Ihr am Leben bleiben wolltet; deshalb habe ich Euch auch nicht enthauptet.“ 

Verdutzt sah Gawain seinen Gegner an und je länger er schaute, desto klarer sah er, dass er den gastfreundlichen Burgherrn vor sich hatte, bei dem er die letzten Tage verbracht hatte, und Schamesröte kroch ihm ins Gesicht. Dieser aber schlug ihm freundschaftlich auf die Schulter und sagte: „Kommt, wir wollen die restlichen Rauhnächte zusammen auf Hautdesert verbringen wie es Sitte ist...“ 

Aber Gawain war der Sinn nach Scherz und Spiel vergangen und er wollte dem grünen Ritter den Gürtel seiner Dame wiedergeben, aber der lehnte ab: „Behaltet ihn als Andenken an Euer gut gemeistertes Abenteuer!“ 

So trennten sich Gawain und der grüne Ritter an der grünen Kapelle und Gawain ritt wieder Richtung Süden, zurück zum Artushof. Dort erzählte er mit gesenktem Kopf von seinen Erlebnissen rund um Hautdesert und bekannte, dass er den Gürtel der Dame als Zeichen seiner Schande von nun an tragen wolle. 

Und der Artushof beschloss, es ihm gleichzutun und so legte jeder Ritter und jede Dame einen grünen Gürtel an und sie trugen sie wie Ehrenzeichen, denn Gawain, so befand der gesamte Hof, hatte das Abenteuer mit Bravur bestanden. 

Und das war die Geschichte von Gawain und dem grünen Ritter, die zuerst vor vielen hundert Jahren erzählt und zuerst vor etwas weniger vielen hundert Jahren im Mittelenglischen aufgeschrieben wurde. Das nächste Mal, wenn mir danach ist und das Feuer wieder so geheimnisvoll im Kamin knistert, dann erzähle ich euch von Gawain und Dame Ragnelle. 

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